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Alumni-Porträtreihe: Karrierewege

Lukas Franzen

Eckdaten

Studienfächer und Abschluss
Promotion in Philosophie, 2022
Master in Philosophie und Geschichte, 2019

Aktuelle Position
Projektmanager für Transformations- und Sonderprojekte bei Iqony Renewables

Vorherige Stationen
Externer Consultant, hauptsächlich für die Bundesdruckerei
Consultant bei BwConsulting nach der Promotion
Operativer Geschäftsführer von richtiggutbewerben.de nach dem Master

Interview

Welche drei Dinge fallen Ihnen spontan zu Köln ein?

  • Die gastronomische Vielfalt – insbesondere für jemanden wie mich, der nicht besonders gerne „deutsch“ isst.
  • Dass man dort als Student nachts eine großartige Zeit haben kann.
  • Die Gelassenheit der Menschen.

Warum haben Sie sich zum Studium die Philosophische Fakultät der Uni Köln ausgesucht?

Eher durch Zufall: Meine damalige Freundin hatte einen Studienplatz für Medizin an der Universität zu Köln bekommen. Wo ich selbst studierte, konnte ich mir damals frei aussuchen – also habe ich mich ebenfalls in Köln eingeschrieben.

Was macht das Studium in Köln / an der Universität zu Köln aus Ihrer Sicht besonders?

Während meines Studiums waren vor allem die Fachbereiche, die mich persönlich am meisten interessierten, personell sehr stark aufgestellt: die analytische Philosophie und die Geschichte der Neuzeit.

Außerdem das Preis-Leistungs-Verhältnis der Mensa: An vielen Tagen verzichtete ich auf das Frühstück und ging stattdessen um 11:30 Uhr, 15:00 Uhr und 18:00 Uhr in die Mensa.

Was sind Ihre Stärken als Geistes- und Kulturwissenschaftlerin?

Vor allem systematisches und holistisches Denken. Besonders in der analytischen Philosophie lernt man Annahmen zu hinterfragen und Zusammenhänge zu erkennen. Diese Fähigkeit ist der größte Mehrwert, den ich beruflich bieten kann. 

Haben Sie sich Ihren Berufsweg in diesem Maße vor Ihrem Studium so vorgestellt?

Nein. Ehrlich gesagt hatte ich während des Studiums keine klare Vorstellung von meiner beruflichen Zukunft.

Gegen Ende meines Studiums hielt ich das Lehramt für eine realistische Möglichkeit und war während einer Übergangsphase vorsorglich in Bochum eingeschrieben, um den dafür erforderlichen Teil des Studiums nachzuholen.

Nach meinem Master fand ich dann überraschend schnell eine Stelle in einem Start-up. Nach der Promotion erhielt ich mehrere Angebote von Unternehmensberatungen. Mein Berufsweg hat sich daher eher Schritt für Schritt ergeben, als dass ich ihn langfristig geplant hätte.

Gab es Situationen oder bestimmte Personen, die Sie inspiriert und Ihnen im Hinblick auf spätere Berufsentscheidungen geholfen haben?

An der Universität war das vor allem die Betreuerin meiner Promotion. Sie riet mir, in die freie Wirtschaft zu gehen und nicht zu versuchen, dauerhaft an der Universität zu bleiben. Rückblickend war das für mich ein sehr guter Rat, weil mir bestimmte akademische Arbeitsweisen und Umgangsformen nie besonders lagen.

Zwei Punkte haben dabei eine Rolle gespielt:
Erstens empfand ich die akademische Sprache gerade in der Philosophie häufig als unnötig kompliziert. Manche Texte erschienen mir sprachlich beeindruckender als inhaltlich überzeugend. Mir liegt eine direktere Sprache, bei der die zentrale Aussage möglichst klar erkennbar ist.

Zweitens hatte ich Schwierigkeiten mit der Erwartung, die Positionen anderer Autoren zunächst sehr ausführlich wiederzugeben. Natürlich ist es notwendig, bestehende Forschung korrekt einzuordnen. Ich selbst wollte aber meistens schneller zur eigentlichen Analyse und zur eigenen Argumentation kommen.

In der freien Wirtschaft passen meine Arbeitsweise und mein Wunsch nach konkreten Ergebnissen deshalb wahrscheinlich besser zu meinem Umfeld.

Was würden Sie heute als Student anders machen?

Während der Promotion hätte ich einen MBA absolvieren sollen.
Viele Zusammenhänge, die für Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fächer selbstverständlich sind, musste ich mir beim Berufseinstieg (und teilweise immer noch) erarbeiten. Dazu gehören beispielsweise das Verstehen betriebswirtschaftlicher Kennzahlen oder grundlegende Modelle wie die Unterscheidung zwischen Primär- und Unterstützungsaktivitäten innerhalb einer Wertschöpfungskette.

Was macht Ihnen an Ihrem jetzigen Beruf besonders viel Freude? 

Ich habe keinen eng abgegrenzten Aufgabenbereich wie beispielsweise unsere Kollegen im Controlling oder die Ingenieure, die sich mit der technischen Planung von Windkraftanlagen beschäftigen. Stattdessen muss ich mich immer wieder kurzfristig in neue Themen einarbeiten. Genau diese Abwechslung macht mir Spaß. An einem einzigen Tag kann es vorkommen, dass ich den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen unterstütze, Anforderungen für ein neues digitales Tool in User Stories übersetze, Verträge und geplante Ausgaben für Photovoltaikanlagen prüfe und Unterlagen für strategische Entscheidungen vorbereite.

Welche Aufgaben haben Sie dort?

Ich übernehme vor allem die Leitung von Projekten, die mehrere Abteilungen gleichzeitig betreffen und nicht eindeutig einem einzelnen Fachbereich zugeordnet werden können. Dabei bringe ich die beteiligten Kollegen zusammen, strukturiere das Vorgehen, kläre Verantwortlichkeiten und sorge dafür, dass Entscheidungen vorbereitet und Aufgaben umgesetzt werden. Bei strategischen Fragestellungen unterstütze ich außerdem als Sparringspartner und Moderator.

Vereinfacht gesagt werde ich häufig dort eingesetzt, wo ein Problem mehrere Bereiche betrifft, aber zunächst niemand genau weiß, wer sich darum kümmern soll.

Welche drei Tipps haben Sie für unsere Studierenden der Phil im Hinblick auf Ihr Studium und das spätere Berufsleben?

Erstens: Der Einstieg in das Berufsleben ist für alle schwieriger geworden. Praktika, Werkstudententätigkeiten und erste praktische Erfahrungen sind deshalb besonders wichtig. Sie helfen nicht nur beim Lebenslauf, sondern auch dabei herauszufinden, welche Arbeit einem tatsächlich liegt.

Zweitens: Man sollte sich um einen zügigen Abschluss und gute Noten bemühen. Für bestimmte Karrierewege, beispielsweise den Einstieg in eine größere Unternehmensberatung, kann eine Promotion hilfreich sein. Der konkrete fachliche Hintergrund spielt dort teilweise eine geringere Rolle, wenn man analytisch, kommunikativ und persönlich überzeugen kann.

Drittens: Start-ups können ein sehr guter Berufseinstieg sein. Dort übernimmt man häufig früh Verantwortung und lernt in kurzer Zeit sehr unterschiedliche Aufgaben kennen. Das Einstiegsgehalt sollte nicht völlig unwichtig sein, aber am Anfang der Karriere würde ich die Qualität und Breite der beruflichen Erfahrung stärker gewichten.

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