Arbeitsorte für Geisteswissenschaftler*innen
- Inwieweit qualifizieren mich die Inhalte meines geisteswissenschaftlichen Studiums für meine berufliche Zukunft?
- Wo werden Geisteswissenschaftler*innen gesucht?
- Welche beruflichen Möglichkeiten habe ich als Geisteswissenschaftler*in oder anders formuliert: Was macht man eigentlich damit?
So viel können wir bereits verraten: Möglichkeiten und Arbeitsorte für Geisteswissenschaftler*innen sind vielfältig, denn Geisteswissenschaftler*innen spielen in zahlreichen Berufsfeldern eine wichtige Rolle. Welche Arbeitsorte konkret infrage kommen können und welche persönlichen Karrierewege, Chancen und Weichenstellungen damit verbunden sind, beleuchtet die Veranstaltung Arbeitsorte für Geisteswissenschaftler*innen.
Dabei handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem Career Service PhilFak und den Instituten der Philosophischen Fakultät.
Themen & Termine im WiSe 25/26
13.10.2025 | ... und DAS macht man dann damit: Berufliche Orientierung in den Geisteswissenschaften
Eröffnung: Prof. Dr. Andreas Michel, Prodekan für Lehre, Studium und Studienreform
Referentin: Annika-Lena Cramer, Leitung Career Service der Philosophischen Fakultät
“Und was machst du dann damit?” ist eine Frage, der sich Geisteswissenschaftler*innen häufig stellen müssen. Es ist eine nachvollziehbare Frage, denn im Vergleich zu anderen Studienfächern sind Berufsbilder und Jobperspektiven mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Gleichzeitig erzeugt sie bei der Beantwortung mitunter eine gewisse Unsicherheit, wenn man tatsächlich noch keine genaue Vorstellung davon hat, wie es nach der Uni weitergehen soll. Schließlich entscheiden viele von uns sich aus Interesse für geisteswissenschaftliche Fächer, auch ohne zu wissen, wie sich dieses Interesse am Ende in einer Beschäftigung niederschlägt. Doch spätestens, wenn der Abschluss näherrückt und/oder sich Studienzweifel in die eigenen Gedanken schleichen, wächst der Wunsch nach etwas Greifbarem.
Das Gute ist: Durch unser Studium sind wir nicht nur Expert*innen in unseren jeweiligen Fachgebieten. Wir sind ebenso Generalist*innen, weil wir während des Studiums inherent geisteswissenschaftliche Kompetenzen erwerben, die uns zusätzlich attraktiv für den Arbeitsmarkt machen. Somit sind unsere Einsatzbereiche vielseitig - und oft vielseitiger, als man denkt.
Neben einer offiziellen Begrüßung durch den Prodekan für Lehre, Studium und Studienreform bietet die Einführungssitzung dieser Ringvorlesung erste Anknüpfungspunkte für die persönliche berufliche Orientierung. Wir sprechen darüber, was uns als Geisteswissenschaftler*innen eigentlich ausmacht und warum es sich lohnt, auch jenseits des fachlichen Bezugs nach einem Job zu suchen.
20.10.2025 | Verein zur Förderung politischen Handelns e.V.
Zu Gast: Marie Kemter, Bildungsreferentin beim Verein zur Förderung politischen Handelns e.V.
Nach ihrem Abitur geht Marie Kemter erst einmal auf Reisen. Anstatt anschließend wie ursprünglich geplant eine Schauspielschule zu besuchen, nimmt sie stattdessen – inspiriert durch die tiefe Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen – das Studium der Kultur- und Sozialanthropologie auf. Schnell wird klar: Auch thematisch soll ihr späterer Beruf mit den Inhalten des Studiums verknüpft sein. Nach Zwischenstationen u.a. beim WDR sowie in einer Migrant*innen-Selbstorganisation wird dieser Anforderung heute ihr aktueller Job beim Verein zur Förderung politischen Handelns e.V. gerecht, wo sie überparteilich politische Bildungsveranstaltungen zu verschiedensten Themen konzipiert und administrativ begleitet. Der Weg dorthin war jedoch mitunter geprägt von zähen Bewerbungsprozessen. Im Gespräch verrät sie uns, welche Strategien ihr geholfen haben, sich davon nicht demotivieren zu lassen, weshalb sich immer auch ein Blick über den Tellerrand lohnt und warum man sich unbedingt auch auf Stellen bewerben sollte, deren Anforderungsprofil man nur bedingt erfüllt.
Marie Kemter hat an der Universität Münster im 2-Fach-Bachelor Kultur- und Sozialanthropologie und Ökonomik, sowie an der Universität zu Köln im 1-Fach-MA Sozial- und Kulturanthropologie studiert.
27.10.2025 | Fairtrade Deutschland e.V.
Zu Gast: Meike Brenner, Referentin für die Kampagne Fairtrade-Schools bei Fairtrade Deutschland e.V.
Meike Brenner weiß schon immer, dass sie sich beruflich mit sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzen will. Besonders am Herzen liegt ihr das Thema Globales Lernen. Sie möchte Menschen dazu befähigen, ihre eigene Position im globalen Kontext zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und daraus verantwortungsbewusste Handlungen abzuleiten. Um in diesem Bereich Fuß zu fassen, absolviert sie während des Studiums Praktika und sammelt in Nebenjobs weitere Erfahrung. Nach dem Studium möchte sie freiberuflich tätig sein und entsprechende Workshops anbieten – doch dann kommt Corona und macht ihr einen Strich durch die Rechnung, sodass sie sich, aus dem Bedürfnis nach Sicherheit heraus, nach Anstellungen umsieht. Als Geisteswissenschaftlerin „braucht man schon ein gewisses Grundvertrauen“, antwortet sie auf die Frage nach dem Umgang mit Herausforderungen und Zweifeln in der Berufsorientierung. „Aber man ist ja nicht die erste Person, die das studiert und die anderen haben ja auch einen Job gefunden.“
Heute ist Meike Brenner wieder ganz bei ihrem Thema: Im Rahmen der Fairtrade-Schools bringt sie Schüler*innen fairen Handel näher und ist dabei für den inhaltlichen und strategischen Ausbau der Kampagne verantwortlich.
Im Gespräch geht es unter anderem um Privilegien bei der Praktikumssuche, Netzwerken außerhalb der comfort zone und darum wie es sich anfühlt, wenn man vor dem Bruder, der Wirtschaftsingenieurwesen studiert, weiß, was man mit dem Studium anfangen will.
Meike Brenner hat im Bachelor an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz Kulturanthropologie im Hauptfach und Politikwissenschaften sowie Erziehungswissenschaften im Nebenfach, und an der Universität zu Köln im Master Interkulturelle Kommunikation und Bildung studiert.
03.11.2025 | Natsana GmbH
Zu Gast: Lea Kehrmann, Team Lead Security and Infrastructure bei Natsana GmbH
„Nichts davon hab ich geplant und Alles ist passiert.“
Lea Kehrmann wollte immer als Lektorin in einem belletristischen Verlag arbeiten. Ihre Studienwahl und ihre Praktika waren einschlägig auf dieses Ziel ausgerichtet. Als sie dann nach Studienabschluss endlich ein Praktikum als Lektorin bei einem großen Verlag absolviert, stellt sie fest: „Das ist ja gar nicht meins“ – und muss sich erst einmal neu finden. Heute leitet sie die IT-Abteilung eines sehr schnell gewachsenen Start-Ups für natürliche Nahrungsergänzungsmittel und wusste bereits im ersten Vorstellungsgespräch, dass dieses Unternehmensumfeld genau ihr Ding ist. Warum das so ist, wie sie mit den Unsicherheiten während ihrer Orientierungsphase umgegangen ist und warum es sich lohnt, öfter mal auf das Bauchgefühl zu hören, erzählt sie uns im Gespräch.
Lea Kehrmann hat an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln im Bachelor und Master Deutsche Sprache und Literatur sowie English Studies studiert.
10.11.2025 | Junges Theater Bonn
Zu Gast: Katharina Savvides, Ausstattungsleitung und stv. Intendanz bei Junges Theater Bonn
„Wir sollten die Geisteswissenschaften als Stärke begreifen“, antwortet Katharina Savvides auf die Frage, wie man Personen begegnen sollte, die sich skeptisch zur geisteswissenschaftlichem Studienwahl äußern. „Uns stehen viele Türen offen und wir dürfen auswählen, welche davon uns am besten gefällt.“
Die Tür, bzw. vielmehr der Vorhang, der sich für Katharina Savvides nach dem Studium geöffnet hat, befindet sich am Jungen Theater Bonn. Dort entscheidet sie als Ausstattungsleitung über das Bühnen- sowie Kostümbild der einzelnen Produktionen und entwickelt als stellvertretende Intendantin das Junge Theater Bonn konzeptionell und strategisch weiter. Von welchen geisteswissenschaftlichen Fähigkeiten sie dabei profitiert, auch wenn sie viel Zeit in ihrem Malkittel verbringt, und mit welchen Vorurteilen sie über die Geisteswissenschaften aufräumen will, erzählt sie uns in dieser Sitzung.
Katharina Savvides hat an der Universität zu Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Anglistik und Soziologie (Magister) studiert.
17.11.2025 | Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW
Zu Gast: Sarah Göbbels, Dokumentenmanagerin und Projektleitung bei Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW
Während ihres Studiums, das sie rein aus Interesse beginnt, entsteht in Sarah Göbbels der Wunsch, in einem historischen Archiv zu arbeiten. Sie absolviert entsprechende Praktika und Nebenjobs… und landet schließlich, nach einer Zwischenstation im Pharmakonzern, beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, wo sie im Dokumentenmanagement Themen wie Dokumentenmanagementsysteme, Aktenpläne und Aufbewahrungsfristen sowie als Projektleitung die Einführung einer E-Akte verantwortet. Heute weiß sie: Auch wenn es kein historisches Archiv ist, in dem sie arbeitet, sind die Themen und Herausforderungen dieselben. Und so sieht sie es als Stärke, als Geisteswissenschaftlerin eben nicht an eine bestimmte Branche gebunden zu sein, sondern in vielfältigen Bereichen wirken zu können – und genau dafür geschätzt zu werden: „Meine Fähigkeiten werden hier gesehen.“ Welche Fähigkeiten das sind und warum ein geisteswissenschaftliches Studium nichts mit der Auseinandersetzung mit Phantasiefragen zu tun hat, ist Teil unseres Austauschs.
Sarah Göbbels hat im Bachelor Skandinavistik und English Studies an der Universität zu Köln, sowie anschließend im Master Editions- und Dokumentwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal studiert.
24.11.2025 | Eurowings Digital
Zu Gast: Dr. Florian Bogner, Data Scientist bei Eurowings Digital
Dr. Florian Bogner studiert zunächst etwas, das Personen, die den Geisteswissenschaften skeptisch gegenüberstehen, im Vergleich vermutlich als etwas ‚Handfestes‘ bezeichnen würden: Maschinenbau und angewandte Informatik. Als er merkt, dass ihm dies nicht liegt, wechselt er in die Rechtswissenschaft. Auch hier fühlt er sich nicht zugehörig und erinnert sich schließlich an eine Anekdote aus der Abizeitung, die ihm eine außerordentlich glühende Leidenschaft für Sprache und das Denken bescheinigt. Inspiriert dadurch kommt er zum Studium der Germanistik und Linguistik, wo er auf Anhieb eine Leichtigkeit verspürt. Diese verfolgt er bis zur Promotion – und verlässt die Wissenschaft dann aus verschiedenen Gründen. Heute ist er Data Scientist bei Eurowings Digital und prognostiziert anhand verschiedener Szenarien, wie sich bestimmte Angebote und Aktionen auf das Buchungsverhalten der Kund*innen auswirken. Im Gespräch erzählt er uns unter anderem, wie er dort gelandet ist, wann sich aus seiner Sicht eine Promotion lohnt, und wie man auch in einer Phase der Arbeitslosigkeit nicht den Mut verliert.
Dr. Florian Bogner hat an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz im Bachelor Germanistik und Linguistik, sowie im Master Linguistik studiert. Anschließend promovierte er im Fach Linguistik an der Universität zu Köln.
01.12.2025 | DeepL
Zu Gast: Robin Boost, Dutch Language Specialist bei DeepL
Dass man während des Studiums auch Kompetenzen über das Fachwissen hinaus erwirbt, weiß Robin Boost ganz genau. Angetrieben von seinem Wunsch, Informationen so aufzubereiten, dass andere sie verstehen, möchte er nach seinem Studium als Übersetzer arbeiten. Als es in diesem Bereich aufgrund verschiedener Umstände nicht mit einem direkten Berufseinstieg klappt, setzt er sich mit der Frage auseinander, wozu sein Studium ihn darüber hinaus befähigt hat – und verfügt schließlich über eine ganze Sammlung an soft skills, welche er bei seinem ersten Job in der Qualitätssicherung eines IT-Unternehmens gewinnbringend einsetzen kann. Über einen Kontakt wird er dann auf eine Stellenausschreibung als Dutch Language Specialist bei DeepL aufmerksam und ist von dieser so begeistert, dass er innerhalb von 20 Minuten seine Bewerbung schreibt und abschickt – mit Erfolg! Heute ist er dort verantwortlich für die Lokalisierung, d.h. die kulturgerechte Übersetzung überwiegend englischsprachiger Texte ins Niederländische. Neben der Auswertung verschiedener Datensätze analysiert er, wie sich die niederländische Sprache im Vergleich zu anderssprachigen Vorlagen verhält, damit dies entsprechend programmiert und vom LLM in der täglichen Anwendung genutzt werden kann.
In unserem Gespräch geht es um die Wichtigkeit von soft skills, Unternehmenskultur, darum, wie es sich anfühlt, als Geisteswissenschaftler in einem Tech-Unternehmen zu arbeiten und warum Robin Boost jeden Tag ein bisschen weniger Angst hat, dass sein Job irgendwann durch sein eigenes Zutun überflüssig wird.
Robin Boost erhielt von der Zuyd Hogeschool in Maastricht einen Bachelor of Translation (Fächer Englisch und Deutsch) und absolvierte anschließend an der Universität zu Köln ein weiteres Bachelorstudium in den Fächern Fennistik und Niederlandistik.
08.12.2025 | Kreisverwaltung Ahrweiler | Schatzkammer Werden
Zu Gast: Jule Wölk, Kulturreferentin bei Kreisverwaltung Ahrweiler und Geschäftsführung sowie Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Schatzkammer Werden
„Und du wirst 21, 22, 23 und du kannst noch gar nicht wissen, was du willst.“
So wie in diesem Song der Band AnnenMayKantereit fühlt sich Jule Wölk, als sie, angetrieben von ihrer Affinität zur Kunsttheorie und Büchern, das Studium der Kunstgeschichte und Komparatistik aufnimmt – ohne einen konkreten Plan, in welchem Bereich sie nach dem Studium tätig sein möchte. Während des Studiums sammelt sie erste Berufserfahrungen im universitären und musealen Bereich. Als sie schließlich ein zweijähriges Volontariat im Museum Schnütgen absolviert, werden trotz des tollen Arbeitsumfelds mit Blick auf ihre berufliche Zukunft Zweifel lauter: Kann ich mir das Volontariat finanziell überhaupt leisten? Was mache ich, wenn ich danach nicht direkt eine Anstellung finde? Hätte ich besser etwas anderes studiert? Soll ich doch noch eine Promotion anschließen?
Heute hat Jule Wölk die einschneidende Phase der Unsicherheit hinter sich gelassen und ist in gleich zwei Bereichen tätig: Als Kulturreferentin bei der Kreisverwaltung Ahrweiler berät und unterstützt sie Kulturschaffende bei der Umsetzung ihrer Projekte und ist mitverantwortlich für die Gedenkarbeit zur Flutkatastrophe. Zusätzlich ist sie Geschäftsführerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Schatzkammer Werden in Essen, wo sie unter anderem Ausstellungen organisiert oder wissenschaftliche Anfragen bearbeitet.
Auch, wenn sich am Ende alles gefügt hat, sprechen wir über ihr mulmiges Gefühl, sich arbeitssuchend zu melden, mögliche Entscheidungshilfen bei essenziellen und existentiellen Fragen und darüber, warum es sinnvoll ist, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was man eigentlich im Leben will.
Jule Wölk hat an der Ruhr-Universität Bochum Komparatistik und Kunstgeschichte im Bachelor, und an der Universität zu Köln Kunstgeschichte im Master studiert.
15.12.2025 | Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC
Zu Gast: Christina Rübel, Senior Associate im Bereich Financial Services Transformation bei PwC
Christina Rübel kommt schon früh mit der chinesischen Sprache und Kultur in Berührung: Bereits ihre Mutter studierte Chinesisch. In der Schule hat sie die Gelegenheit, die Sprache selbst zu lernen – und verbringt, fasziniert davon, nach dem Abitur einige Monate in China, um noch tiefer in die Kultur einzutauchen. Bestärkt darin, dass ein Studium der Regionalwissenschaften China das Richtige für sie ist, immatrikuliert sie sich an der Universität zu Köln und kombiniert ihr geisteswissenschaftliches Studium mit BWL, um sich zusätzlich ein wirtschaftliches Grundverständnis anzueignen.
Nach dem Studium, das steht für Christina Rübel eigentlich fest, soll sich ihre Begeisterung für China auch in ihrer Berufswahl wiederfinden. Als sie sich am nach dem Abschluss jedoch entscheiden muss, ob sie dem Bereich, dem sie während ihrer Werkstudentinnentätigkeit bei PwC angehört, treu bleibt, oder ob sie sich zugunsten des Chinabezuges umorientieren möchte, entscheidet sie sich für Ersteres – und unterstützt nun als Senior Associate im Bereich Financial Services Transformation Unternehmen bei der Optimierung ihrer Finanzprozesse.
Zunächst klingt es so, als sei dieser Job primär auf ihren Hintergrund als BWLerin zurückzuführen. Doch dieser Eindruck täuscht! Christina Rübel ist sich der Stärken sehr bewusst, die sich aus ihrem geisteswissenschaftlichen Studium ergeben und für die sie bei PwC geschätzt wird – auch wenn der fachliche Bezug zu ihrem Studium derzeit nicht gegeben ist. Welche Stärken dies sind, warum Christina Rübel bereit war, in Sachen Chinabezug einen Kompromiss einzugehen und was sie Personen sagt, die den Abschluss B.A./M.A. (im Vergleich zu B.Sc./M.Sc.) belächeln, erfahren wir im Gespräch.
Christina Rübel hat an der Universität zu Köln im Bachelor und Master Regionalstudien China mit dem Schwerpunkt BWL studiert.
12.01.2026 | Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
Zu Gast: Dr. Marcus Conlé, Referent für Forschungssicherheit und Exportkontrolle bei Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
„In China geht alles an Entwicklungen viel schneller. Die 1970er und heute, allein die 2000er und heute – das sind zwei völlig unterschiedliche Welten.“ Dr. Marcus Conlé interessiert sich schon immer für andere Länder, insbesondere für China. Um zu verstehen, wie dieses Land funktioniert, entscheidet er sich für den Verbundstudiengang Regionalwissenschaften China mit Schwerpunkt VWL – und ist fasziniert von den Fragestellungen, die sich aus der Kombination von Ökonomik und Geisteswissenschaften ergeben.
Nach verschiedenen wissenschaftlichen Stationen am DESY und GIGA ist Dr. Conlé heute im Wissenschaftsmanagement beim Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg tätig. Als Chinaexperte baut er dort den Bereich für Forschungssicherheit und Exportkontrolle auf. Das bedeutet (in a nutshell), die Einhaltung und Umsetzung der Grundsätze für wissenschaftliche Kooperationen mit herausfordernden Partnerländern sicherzustellen: Wie sichert man schützenswertes Wissen – etwa personenbezogene Daten, proprietäres Laborwissen oder sensitive Technologien – vor Missbrauch? Wo sind Einfallstore, die einen Missbrauch überhaupt erst ermöglichen? Welche Projekte besitzen Dual Use-Potential, d.h. können auch für militärische Zwecke genutzt werden?
Im Gespräch erhalten wir einen Einblick in die vielseitige und spannende Welt des Wissenschaftsmanagements. Wir sprechen über die Wichtigkeit von Netzwerken und die Vorteile einer Arbeit am sweet spot zwischen Forschung und Verwaltung.
Dr. Marcus Conlé hat an der Universität zu Köln auf Diplom Regionalwissenschaften China mit Schwerpunkt VWL studiert und an der Mercator School of Management der Universität Duisburg-Essen im Fach Betriebswirtschaftslehre (Dr. rer. oec.) promoviert.
19.01.2026 | DB Cargo
Zu Gast: Valentina Hiseni, Entwicklerin bei DB Cargo
Für Valentina Hiseni ist das Studium nicht nur Mittel zum Zweck, um in eine Großstadt zu ziehen. Neben der Horizonterweiterung auf einer sehr persönlichen Ebene bietet es ihr in erster Linie eine Chance, sich intensiv mit ihren Interessen auseinanderzusetzen: „Ich fand Medien cool und Informatik auch – und das Zusammenspiel untereinander: Ich hatte da gerade meinen ersten Game Boy. […] Durch die Betrachtung der Dinge auf einer Metaebene haben sich bei mir neue Nervenbahnen zusammengefunden.“
Da sie während des Studiums verschiedene Programmiersprachen lernt, sammelt Valentina Hiseni bereits früh Erfahrung im Bereich der Entwicklung, so zum Beispiel in der Gamingbranche und in einem Start-Up. Auch, wenn sie darüber hinaus mit einer Karriere in der Wissenschaft liebäugelt, entscheidet sie sich zugunsten der Arbeitsplatzsicherheit für einen unbefristeten Job bei DB Cargo. Dort konzipiert und entwickelt (programmiert) sie heute interne Applikationen, mit der beispielsweise Störfälle dokumentiert werden können.
Auch, wenn Sie das Gefühl hat, sich im Vergleich zu Personen mit reinem Informatikstudium mehr beweisen zu müssen, ist sie sich der Stärken, die sie als Geisteswissenschaftlerin zusätzlich auszeichnen, sehr bewusst: „Wir sehen immer das große Ganze und können darin alles bis ins kleinste Detail runterbrechen. Außerdem sind wir empathiefähig – so kann ich mich sehr gut in meine Zielgruppe hineinversetzen.“ In den Geisteswissenschaften, so sagt sie, muss man sich nicht nur fachlich, sondern übergeordnet damit befassen, was man gut kann. Wie man das macht, erfahren wir im Gespräch.
Valentina Hiseni hat an der Universität zu Köln im Bachelor und Master Medienkulturwissenschaften und Medieninformatik im Verbund studiert.
26.01.2026 | Diskussion und Reflexion: Geisteswissenschaftliche Stärken und Kompetenzen erkennen und nutzen
Referentin: Annika-Lena Cramer, Leitung Career Service der Philosophischen Fakultät
Nachdem wir inzwischen einen Eindruck davon bekommen haben, wie der Werdegang bei anderen Geisteswissenschaftler*innen verlaufen ist, blicken wir heute auf uns selbst. Wir wollen uns gezielt mit der Frage auseinandersetzen, welche Kompetenzen, skills, Leidenschaften und Interessen wir persönlich mitbringen und wie wir das Wissen darüber gezielt bei der Identifikation passender Stellen einsetzen können.
Außerdem bietet der heutige Termin Raum für Diskussion und persönliche Reflexion: Was hat mich im Rahmen der Ringvorlesung mit Blick auf geisteswissenschaftliche Berufsprofile überrascht? Welche Erkenntnisse nehme ich mit? Mit welcher Einstellung möchte ich zukünftig an die Jobsuche herantreten? Und was werde ich antworten, wenn mich das nächste Mal jemand fragt “Und was machst du dann damit”?
02.02.2025 | Deutsche UNESCO-Kommission
Zu Gast: Jeannine Hausmann, Leitung Fachbereich Internationale Zusammenarbeit und Zukunftsthemen bei Deutsche UNESCO-Kommission
Jeannine Hausmann weiß bereits früh im Studium, dass sie im Bereich der internationalen Zusammenarbeit tätig sein möchte – auch wenn die Frage „Und was wird man damit?“ sie hin und wieder verunsichert. Um eine konkretere Vorstellung ihrer Möglichkeiten zu bekommen, absolviert sie verschiedene Praktika, beispielsweise bei der Delegation der Europäischen Kommission in La Paz, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Da der Arbeitsmarkt wenig Stellen für Berufseinsteiger*innen bietet, konzentriert sie sich bei der anschließenden Jobsuche auf Programme in der internationalen Zusammenarbeit, die sich explizit an Absolvent:innen richten. Ein einjähriges internationales Trainingsprogramm erleichtert ihr den anschließenden Einstieg ins Berufsleben. Als sie nach einigen Jahren im Beruf jedoch merkt, dass der internationale Bezug ihrer Arbeit langsam in den Hintergrund rückt, setzt sie sich bewusst mit der Frage auseinander, was sie denn eigentlich von ihrem Beruf erwartet. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung: Heute leitet Jeannine Hausmann den Fachbereich Internationale Zusammenarbeit und Zukunftsthemen der Deutschen UNESCO-Kommission, wo sie sich mit aktuellen technologischen Entwicklungen und deren Implikation für die Gesellschaft auseinandersetzt. In dieser Rolle ist sie beratend für die Politik tätig, setzt Projekte mit unterschiedlichen internationalen Partnern um und hält ganz grundsätzlich viele Fäden zusammen.
Im Gespräch gibt sie uns einen tieferen Einblick in ihre Arbeit und verrät uns unter anderem, wie man eigentlich herausfindet, was man gut kann und wohin man sich beruflich orientieren möchte.
Jeannine Hausmann hat an der Universität zu Köln Regionalwissenschaften Lateinamerika auf Diplom studiert.
Rückblick/Archiv
Im Archiv finden Sie die Themenübersichten der vergangenen Vortragsreihen und Semester als Inspiration für spannende Arbeitsorte für Geisteswissenschaftler*innen. Viel Freude beim Stöbern.
